Wie Katzenerziehung funktionieren kann

Artikelfoto: © Resi Garen-Schäffer/pixelio.de

Die Frage, ob und wie man eine Katze erziehen kann, stellt sich immer wieder.  Besonders bei neuen vierbeinigen Mitbewohnern, die noch jung oder eben unerzogen sind. Eine unerzogene Katze kann einem den letzten Nerv rauben … Das Sprichwort “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans auch nicht mehr!” bewahrheitet sich im Hinblick auf Katzen nicht immer, wie ich an meiner Giny deutlich sehen kann. Sie ist bereits ausgewachsen und trotzdem kann man ihr noch Dinge beibringen und ihr klarmachen, was sie darf und was nicht. Allerdings hat es eine Zeit gedauert, bis ich herausgefunden habe, worauf sie “anspringt”. Ein paar meiner Methoden, die ich ausprobiert habe, möchte ich heute beschreiben.

1. Die kalte Dusche
Es heißt ja immer, dass Katzen wasserscheu sind und dass man ihnen deswegen mit einem gezielten Schuss aus der Wasserpistole oder Sprühflasche beibringen kann, dass sie das, was sie gerade tun, nicht dürfen. Man sollte aber eher eine Sprühflasche nehmen, denn Wassertropfen – fein auf dem Katzenfell verteilt – sind nicht schädlich. Nur unangenehm. Bei meiner Giny hatte ich mit dieser Methode allerdings herzlich wenig Erfolg.

Giny war gerade neu bei uns eingezogen und hatte die nervende Angewohnheit, auf  Tische zu springen. Ich probierte also die “Duschenmethode”. Als Giny eines Tages wieder mal auf dem Tisch saß, schlich ich mich an sie heran und “Pfffft” verpasste ich ihr eine Dusche mit der Sprühflasche. Meine Mieze schaute zwar etwas irritiert, suchte nach dem vermeintlichen Feind – ich tat natürlich absolut unschuldig -, schüttelte sich kurz … und blieb auf dem Tisch sitzen!  Ich probierte es sage und schreibe 10 Mal … Dann waren sowohl Giny  als auch der Tisch pitschnass und ich gab es auf.

2. Das deutliche “NEIN!”
Die “Duschenmethode” hatte also nicht gewirkt. Aber man soll ja nicht zu früh aufgeben. Schlagen oder ähnliches kommt natürlich gar nicht infrage, also musste ich mir etwas anderes überlegen.

Als ich Giny das nächste Mal auf dem Tisch erwischte, fauchte ich laut, sagte deutlich “NEIN!” und hob sie vom Tisch. Giny fauchte zurück … und sprang wieder auf den Tisch! Dieses Schauspiel widerholte sich insgesamt 5 Mal! Danach hatte sie scheinbar begriffen und verschwand ins Wohnzimmer. “Puh!”, dachte ich und glaubte schon, ich hätte gewonnen. Denkste … Als ich ins Wohnzimmer kam fand ich Giny … genau … auf dem Tisch! Wo auch sonst?!

Ich versuchte es danach noch häufiger, weil ich dachte, dass sie dieses Gefauche irgendwann so sehr nerven würde, dass sie von allein aufgab. Doch Giny wurde mit der  Zeit nur heiser …  genau wie ich …

3. Belohnung für gutes Betragen
Wenn ein Tier etwas Gutes macht, soll man es belohnen. Bei Hunden funktioniert diese Methode sehr gut, wie ich beobachten durfte. Also dachte ich, dass es vielleicht bei Katzen auch klappen könnte. Ich holte Ginys Lieblingsleckerlis, schnappte die schwarze Schönheit vom Tisch und setzte sie auf den Boden, wo ich ihr ein paar Knabberchen gab, die sie auch gerne annahm. Kaum hatte sie den Knabberkram verspeist, wollte sie wieder auf den Tisch springen! Ich hielt sie davon ab und wedelte mit einem weiteren Leckerli vor ihrer Nase herum. Giny schnüffelte daran, miaute leise … und sprang wieder auf den Tisch!

Ich versuchte es noch eine Weile mit der “Belohnungsmethode”. Mit der Zeit wurde Giny aber immer schwerer und mein Geldbeutel immer leichter, sodass ich diese Methode aufgab und mir erneut etwas anderes ausdenken musste.

Diesmal versuchte ich es statt mit Leckerlis mit Streicheleinheiten. Der Erfolg blieb aus …

4. Erklärungen und klare Zeichen
Manchmal soll es ja auch helfen, dem Tier klipp und klar zu erklären, was man von ihm will. In meiner Verzweiflung probierte ich auch diese Methode aus …

Giny saß auf dem Couchtisch. Ich seufzte leise, schnappte mir die Mieze und setzte sie auf den Boden. “Unten ist gut. Oben ist schlecht!” erklärte ich. Sie schaute mich an, starrte mir in die Augen, grummelte leise … und sprang wieder auf den Tisch! “Zum Donner nochmal!” fauchte ich giftig, “Runter jetzt!” schnipste mit den Fingern und deutete auf den Fußboden. Giny schaute mich verdutzt an, schaute auf meinen Finger … und sprang vom Tisch! Dann strich sie mir um die Beine und maunzte leise, als ob sie sich entschuldigen wollte.

Ich konnte es gar nicht glauben. Es hatte tatsächlich geklappt! “Einfach so?”, dachte ich verdutzt und machte dieselbe Aktion (“Runter!” und mit dem Finger zu Boden zeigen) beim nächsten Mal wieder. Und Giny gehorchte erneut!

Nach 2 oder 3 weiteren Versuchen gab sie es tatsächlich auf und seitdem habe ich sie nicht mehr auf einem Tisch gesehen!

Mittlerweile gehorcht Giny nahezu aufs Wort – wenn sie will -, springt nur noch auf meinen Schoß, wenn ich sie mit “schnipsen” dazu auffordere oder mir auf die Oberschenkel klopfe (obwohl sie das eigentlich auch so dürfte, aber ich will mich nicht beklagen) und um Tische macht sie einen Bogen. Sofa, Sessel, Stühle und Kommoden darf sie dennoch erkunden und tut es auch.

Bei Charly hatte ich mit der “NEIN!”-Methode Erfolg. Er kratzte nicht nur an Türrahmen, nein, er machte es sich auch regelmäßig in meinem Bett bequem. Im Kittenalter ist das ja nicht so wild, aber wenn die Miezen größer – und somit auch schwerer – werden, könnte es Probleme geben. Das merkte ich, als ich einmal nachts aufwachte und kaum Luft bekam, weil ich ein schweres Fellknäuel auf dem Hals liegen hatte … Charly. Runterschubsen, klare Zeichen und Leckerlis brachten keine Besserung. Nur mit der “NEIN!”-Methode hatte ich bei ihm einen überwältigen Erfolg!

Nach mehreren “NEIN!” kratzte er nicht mehr an den Türrahmen … und an meine flauschige, schnurrende, lebende Wärmflasche, die im Winter allnächtlich auf meinen Füßen liegt, habe ich mich mittlerweile gewöhnt … Komplett aus dem Bett vertreiben ließ sich der kleine Kater nämlich nicht! Da half auch das “NEIN!” nicht. Ich hatte es zudem mit Tür absperren und einem superflauschigen Katzenkörbchen direkt neben der Tür auf dem Flur versucht, was nur dazu führte, dass er sich nachts die Lunge aus dem Hals miaute (aber nicht die Tür zerkratzte!) und ich kaum noch Schlaf bekam. Nach einigen Nächten bei geschlossener Schlafzimmertür hörte Charly auf zu miauen. Er hatte offenbar begriffen! Hurra! Also ließ ich die Tür aus Gründen der besseren Luftzirkulation wieder einen Spaltbreit offen.

Am nächsten Morgen lag Charly zusammengerollt und selig schlafend auf meinen Füßen … Ich gab es auf.  Man soll ja auch Kompromisse schließen können!

Charly darf also ins Bett kommen, sofern er am Fußende bleibt. Und Giny darf auf alles Mögliche springen, sofern es kein Tisch ist!

Zusätzlich zu den eben beschriebenen Methoden gibt es noch andere Möglichkeiten, Katzen klarzumachen, was sie dürfen und was nicht.

Eine gute Bekannte hat ihre Katze mit einer kleinen, recht leisen Hupe erzogen. Immer wenn Minka etwas tat, was sie nicht sollte, hat meine Bekannte – natürlich aus entsprechender Entfernung – einmal gehupt. Minka war dann so erschrocken, dass sie die beanstandete Tätigkeit lieber nicht mehr ausführte. Meine Bekannte brauchte ca. 5-6 Versuche, bis Minka begriff.

Eine Freundin von mir schaffte es, ihren Kater Pino mittels “klickern” zu erziehen. Pino mag das Geräusch eines “Klickers” nicht und deswegen half diese Methode bei der Erziehung. Immer wenn Pino zum Beispiel am Türrahmen kratzte, “klickerte” meine Freundin 1-2 Mal und der Kater räumte daraufhin das Feld. Das widerholte sich solange, bis Pino aufgab und nicht mehr an den Türrahmen kratzte.  Er stellt sich seitdem auf die Hinterpfoten und kratzt sachte direkt an der Tür ohne sie zu beschädigen. Meine Freundin meint: “Er klopft an!”

Fazit:
Wenn man eine Katze erziehen oder ihr etwas beibringen möchte, muss man zuerst herausfinden, auf was sie am besten reagiert. Und selbst wenn mal etwas nicht gleich so klappt, wie man das möchte … nicht verzagen und immer weiter versuchen! Außerdem muss man eines immer sein … kompromissbereit!

Bianca Kuntze

7 Gedanken zu „Wie Katzenerziehung funktionieren kann“

  1. Dieser Artikel ist zwar wirklich unterhaltsam geschrieben. Aus katzenpsychologischer Perspektive ist er inhaltlich aber leider nicht tragbar. Ich halte es für sehr riskant, einfach wild und unsystematisch verschiedene Erziehungsformen auszuprobieren. Im Artikel werden jede Menge Strafen vorgeschlagen. Die Anwendung von Strafen kann natürlich zum erwünschten Ziel, nämlich zur Unterdrückung von Verhalten führen. Die Anwendung von Strafen bringt aber allzu häufig auch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich: Vertrauensverlust dem Menschen gegenüber, Entwicklung von Schreckhaftigkeit und Ängsten.

    Wer seine Katze erziehen will, muss wissen, wie Lernen funktioniert. Der Einsatz von Belohnungen und der Einsatz von Strafen muss nach gewissen Regeln erfolgen, damit die Katze überhaupt eine Chance hat zu verstehen, was wir ihr mitteilen wollen. Das der oben beschriebene Einsatz von Futter nichts bewirkt hat, wundert mich nicht. Es hat keine klare Kommunikation stattgefunden.

    Alle Erfolgswege, die Sie in Ihrem Beitrag beschreiben, führen letztlich über Strafen. Der Fingerzeig geht in die richtige Richtung, aber “anfauchen” mit einer entsprechenden Körpersprache dazu fällt unter Bedrohung und damit, lerntheoretisch gesprochen, unter Strafe. Laute Geräusche im Moment des unerwünschten Verhalten sind ebenfalls Strafen. Und man könnte sogar darüber streiten, ob es nicht körperliche Züchtigungen sind, wenn man sich klar macht, wie fein das Gehör der Katze ist.

    Als Menschen sind wir vernunftbegabte Wesen. Wir können unseren geliebten Tieren nicht nur viel beibringen, sondern wir können uns wirklich mit der Materie auseinandersetzen und Wege suchen, die
    a) zum gewünschen Ziel führen und dabei
    b) der Katze und unserer Beziehung zu ihr MIT SICHERHEIT keinen Schaden zufügen.

    Abschließen möchte ich mit einer Buchempfehlung, die die “Erziehungsmethode” der positiven Verstärkung sehr anschaulich und für verschiedenste Tierarten inkl. Mensch erklärt: Karen Pryor “Positiv bestärken, sanft erziehen”.

    Christine Hauschild, Mobile Katzenschule Happy Miez

  2. Hallo Christine,

    vielen Dank für deine Ausführungen zu diesem Artikel.
    Ich muß auch dazu sagen, dass wir hier nur Katzenbesitzer sind und nicht wie du eine Katzenschule führen. Aber um so mehr freue ich mich, dass du uns einen kleinen Einblick in deine Arbeit gewährt hast und einige Fehlhandlungen in dem oben geschriebenen Artikel versucht hast uns und unseren Lesern klar zu machen. Vielen Dank! Ich freue mich auf weitere Kommentare von dir bei anderen Artikeln. Gern nehmen wir auch Artikel von Gastautoren auf, wenn es evtl. mal einer Richtigstellung eines Artikels bedarf!

    LG
    Simone

  3. Gegen Kritik habe ich nichts, aber dennoch möchte ich etwas dazu sagen.

    Meine Katzen haben definitiv keinen Schaden davon getragen!

    Vertrauen haben sie zu mir auf jeden Fall, denn welche Katze, die Angst hat, lässt sich schon freiwillig auf dem Schoß eines Menschen nieder (fordert diese Zuwendung sogar ein!) und schläft dort dann so lange, bis dieser Mensch einen Krampf in den Waden bekommt vom langen Sitzen?
    Welche Katze, die Angst hat, schmeißt sich auf den Rücken, legt die Pfoten an (also keine ausgefahrenen Krallen!) und lässt sich dann am Bauch kraulen, bis sie eingeschlafen ist?
    Welche Katze ohne Vertrauen zum Menschen, hält völlig still und leckt ihrem Menschen auch noch hinterher die Finger ab, wenn man ihr ein krankes Auge versorgen muss (bei z.B. Bindehautentzündung)oder schlicht und einfach eine Zecke entfernen muss?

    Sicher sehr wenige. Oder? Meine Beiden jedenfalls tun all dies – und noch viel mehr – und zwar täglich (außer Zecken und Bindehautentzündung -Gott sei Dank-).

    Das mit der Hupe war nicht ich, sondern Bekannte von mir. Ich habe dieses Mittel auch nicht angewendet, weil ich allgemein nichts von diesen “Tröten” halte.

    Wenn ich von “fauchen” schreibe, meine ich, dass ich einen anderen Ton angeschlagen habe als meinen üblichen Sprechton (eine Oktave tiefer) und nicht katzentypisches “cccchhh” gemacht habe. Ich weiß nämlich nicht was “Runter jetzt!” auf kätzisch heißt und irgendwie muss ich mich ja ausdrücken.

    Ich bin keine Katzenpsychologin oder sowas, sondern nur eine einfach Katzenfreundin, die gerne mit diesen Tieren zusammenlebt und sich über jede Minute freut, die die Fellnasen mit ihr verbringen.

    Es kann durchaus sein, dass ich Fehler mache, klar, aber von “nicht tragbar”, “Strafe” und “Bedrohung” bis hin zur “körperlichen Züchtigung” zu reden, finde ich schon arg heftig und – ehrlich gesagt – übertrieben.

  4. Guten Morgen Bibi,
    ich kann verstehen, dass Sie sich auf die Füße getreten fühlen. Und ich glaube Ihnen, dass Ihre Katze jetzt keine Angst vor Ihnen hat. Es gibt aber einige Katzen, bei denen das jetzt der Fall wäre.

    Natürlich erwarte ich nicht von jedem normalen Katzenhalter fortgeschrittene Kenntnisse in Lerntheorie o.ä. Aber in dem Moment, in dem Sie einen Blog über Katzenerziehung schreiben, übernehmen Sie große Verantwortung. Denn viele Menschen werden einen solchen Artikel möglicherweise in einer verzweifelten Situation lesen und alles übernehmen, ohne noch einmal kritisch zu hinterfragen. Dann kann auch etwas, was eigentlich gut gemeint ist, nach hinten losgehen. Und das ist dann für alle Beteiligten ziemlich unglücklich, denn niemand wollte Böses.

    Ich habe auch verstanden, dass nicht Sie, sondern Bekannte die Hupe eingesetzt haben. Aber Sie wird in Ihrem Artikel als funktionierendes Erziehungsmittel dargestellt. Ihre eigene Kritik daran haben Sie zurückgehalten. Warum? Nur weil etwas funktioniert, wie richtig angewandte Strafen es tun, heißt es ja nicht, dass es gut ist und gemacht werden sollte.

    Als Clickertrainerin hat es mich außerdem getroffen, dass von einer anderen Bekannten von Ihnen der Clicker eingesetzt wurde wie eine Hupe oder die Rütteldose im Hundebereich und dies ebenfalls unkommentiert blieb. Klassischerweise ist der Clicker DAS Trainingstool für die Arbeit über Belohnungen. Der Click soll ankündigen, dass für das im Moment des Clicks gezeigte Verhalten im nächsten Moment eine tolle Belohnung erfolgt. Wer also Lust hat, sich konkreter auf Katzen gemünzt mit positiver Verstärkung zu beschäftigen, kann auch ein bisschen in Bücher über Clickertraining mit Katzen reinblättern.

    Aber zum Abschluss noch einmal: Mein Ziel war es nicht, Sie vor den Kopf zu stoßen, sondern die Leser/innen aufzuklären in einem Bereich, in dem unter Katzenhaltern noch ganz viele Informationen fehlen. Und ich möchte auf die große Verantwortung hinweisen, die man übernimmt, sobald man öffentlich postet.

    Viele Grüße,
    Christine Hauschild

  5. Schöner Artikel! Die einfachste Form der Katzenerziehung finden wir allerdings, wenn wir das Katzenverhalten der Katzenmütter beobachten. Fauchen und kleine Nasenstüber (wirklich nur ganz leicht!) dienen der Maßregelung von Katzenjungen, wenn sie über die Stränge schlagen. Und es funktioniert, bei sofortiger Anwendung, perfekt! Auf keinen Fall sollte man Gewalt irgendwelcher Art anwenden, denn das versteht die Katze nun gar nicht und wird in der Folge eher verhaltensauffällig. Wenn man “ihre Sprache“ spricht, kommt die Botschaft hingegen gut an, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen!

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