Rasseportrait Hauskatze

Artikelfoto: © Bianca Kuntze

Allgemeines und Wissenswertes

Die Hauskatze passt eigentlich in keine “Schublade” und ist auch nicht als eigene Rasse anerkannt – soweit ich weiß.  Sie wird von sehr wenigen Züchtern planmäßig gezüchtet, einfach weil es keine eigene Rasse ist. Oft werden sie mit einer ihrer Unterrassen – der europäisch Kurzhaar (EKH) – verwechselt oder gleichgesetzt. Hauskatzen sind jedoch quasi die Vorfahren der EKH, deren Anerkennung als eigene Rasse 1982 erfolgte. EKH werden aber auch nur selten gezüchtet, denn oft kommen “unerlaubte” Farben wie chocolate, point etc. vor.

Foto: © Bianca Kuntze
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Hauskatzen gibt es in zig verschiedenen Farben und Farbschlägen vom “Tiger” über “schwarze Panther” bis zu “Garfield” – durch Einkreuzungen oft mit weißen Flecken – und man kann sie auch vom Wesen her nicht in “ruhig” oder “temperamentvoll” einteilen. Allgemein habe ich jedoch festgestellt, dass Hauskatzen eher zu den spielfreudigen Katzen zählen, die gerne schmusen und gekrault werden. Hauskatzen “sprechen” auch, meiner Erfahrung nach, recht viel – unser Charly miaut eigentlich ständig – und sie können sowohl als reine Wohnungskatze als auch als Freigänger oder Teil-Freigänger gehalten werden. Oft sind sie die typischen “Bauernhofkatzen”, die in der Scheune leben und das Korn von Mäusen und Ratten befreien. Sie sind auch nicht so anfällig für Krankheiten, da sie eine recht robuste Rasse darstellen. Das Fell ist relativ kurz, zwar dicht aber nicht so dicht wie z. B. das der Kartäuser und es verfilzt selten. Somit benötigen Hauskatzen nicht ganz so viel menschliche Fellpflege wie Langhaarkatzen. Die meisten Hauskatzen akzeptieren bürsten und kämmen zwar durchaus mit Genuss, aber man muss sie – wie eigentlich alle Katzen – daran gewöhnen.

Der Körperbau kann bei diesen Katzen ebenso unterschiedlich sein, wie der Spieltrieb und das Temperament. Einige sind sehr groß und stämmig, andere sind eher klein und zierlich.  Allgemein gehören sie aber zu den mittelgroßen Katzen, deren Normalgewicht beim Kater zwischen 5 kg und 7 kg und bei Kätzinnen zwischen 4 kg und 6 kg liegt. Ihr Fell ist kurz und dicht. Hauskatzen gelten als freundlich, aufgeschlossen dem Menschen gegenüber und normalerweise auch als sozial zu anderen Katzen.

Ginny auf dem Boden
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Unsere Giny ist eine Vertreterin der kleinen Hauskatzen.

Charly auf meinem Bein klein
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Charly ist mittelgroß und schlank.

Nummer 1 Lieblingsdecke
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Unser William, genannt “Nummer 1” (leider verschwunden) ist/war hingegen ein großer, stämmiger Kater.

Hinweis: Charly und “Nummer 1” sind Ginys Söhne.

Der Charakter der drei Grazien ist auch sehr unterschiedlich.

Foto: © Bianca Kuntze
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Giny ist eher häuslich, sie liegt gern im Wohnzimmer auf dem Sofa oder auf der Fensterbank, ist aber auch – wenn das Wetter es zulässt – gerne draußen, kommt morgens pünktlich um 07:05 Uhr vom nächtlichen Reviergang zurück (und wenn nicht, dann stimmt etwas nicht) und sie entscheidet selbst, wann Schmusestunde ist. Wenn sie nicht will, geht sie einfach weg. Allerdings ist sie auch sehr verspielt und kann stundenlang ein Blatt auf der Wiese jagen oder drinnen mit einer Kordel spielen. Giny miaut relativ selten, aber wenn, dann hat sie uns etwas Wichtiges mitzuteilen. Morgens, wenn sie reinkommt, miaut sie in einem nervös-meckernden Ton, als ob sie fragen wollte “Na endlich! Ich sitz’ hier schon ‘ne halbe Stunde vor der Tür! Gibt’s jetzt endlich was zu futtern, oder wie?!” Wenn sie raus möchte, fiept sie in kittenähnlicher Tonlage, und wenn sie etwas nicht will oder genervt ist, imitiert sie eine Ziege. Fremden gegenüber ist sie misstrauisch, taut aber nach einer Weile auf und beschnuppert Hosenbeine oder auch dargebotene Hände. Streicheln lässt sie sich von Unbekannten selten und anlocken überhaupt nicht. Giny mag auch nicht gern getragen oder hochgehoben werden. Mit anderen Katzen versteht sie sich ganz gut, vor allem mit Katern.

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Charly hingegen ist eher ein Streuner. Er bleibt ab und zu mal übers Wochenende weg und steht dann montags wieder vor der Tür, als sei nichts gewesen. Wenn er aber länger wegbleibt, dann stimmt etwas nicht. Oft trifft man ihn samstags ein paar Straßen weiter, wo er sich gerne aufhält und offenbar auch seinen zweiten Futterplatz hat. Er ist ein absoluter Schmusekater und – wenn er denn mal drinnen ist – beschlagnahmt er so schnell es geht einen menschlichen Schoß, um sich einzurollen und ein Nickerchen zu halten. Sein Spieltrieb ist nicht ganz so ausgeprägt wie Ginys und man kann ihn nur kurzzeitig mit einer Kordel oder einem Bällchen begeistern. Charly “spricht” sehr viel mit uns. Er miaut sirenenartig, wenn er morgens hereinkommt. Wenn er Hunger hat, klingt seine Stimme mitleiderregend. Wenn er gestreichelt werden möchte fiept er leise vor sich hin. Wenn wir nicht im Raum sind, “brüllt” er durch die ganze Wohnung und wenn er raus möchte, “meckert” er. Zwischendurch miaut er aber auch. Auf dem Schoß miaut er genießend, auf dem Katzenklo erleichtert, im Wintergarten neugierig, auf der Fensterbank sitzend “hypnotisiert” er Vögel mit leisen Meckergeräuschen … sogar im Schlaf miaut er manchmal! Er hat eigentlich immer etwas zu “erzählen”. Fremden gegenüber ist er scheu, schreckhaft und extrem misstrauisch, lässt sich nicht streicheln und sucht lieber das Weite. Von seinen Dosenöffnern lässt er sich manchmal hochheben und auch ab und zu auf dem Arm streicheln, wobei er dann gern mit den Vorderpfoten auf meiner rechten Schulter liegt. Die einzige andere Katze, die er akzeptiert und mit der er sich gut versteht, ist Giny.

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William war gerne drinnen, aber auch ebenso gerne draußen. Er blieb oft übers Wochenende weg, kam dann heim, futterte etwas und verschwand dann wieder. Man sah ihn dann häufig durch die Wiese schleichen oder am Teich sitzen. Aber ebenso oft kam es vor, dass er tagelang gar nicht raus wollte und lieber auf der Fensterbank oder im Wintergarten saß. Er war zwar verschmust, aber er machte auch deutlich, wann es ihm reichte. Gekratzt hat er nie, gebissen erst recht nicht, aber er knabberte dann an der streichelnden Hand herum und grummelte leise. Mit Kordeln, Bällchen usw. konnte man ihn nur im Kittenalter begeistern. “Nummer 1” ist ein sehr ruhiger Vertreter seiner Art. Er machte nur auf sich aufmerksam, wenn ihm etwas nicht passte, wenn er raus wollte und wenn er Hunger hatte. Fremden gegenüber war er aufgeschlossen und neugierig, sofern man sich ihm langsam näherte und keinen Lärm machte. William ließ sich liebend gern von uns tragen und nahm dabei freiwillig die Rückenlage ein, damit man gut an seinen Bauch herankam! Er verstand sich mit anderen Katzen und Katern überhaupt nicht, außer mit Giny und Charly.

So unterschiedlich wie ihre Charaktere und Gewohnheiten sind auch ihre Bedürfnisse und Vorlieben.

Giny liebt weißes Fleisch (Pute, Huhn etc.) und Fisch in allen Varianten. Am liebsten mag sie Pastete, aber sie akzeptiert auch ab und zu Stückchen in Gelee.
Sie muss selten gebürstet werden, denn sie geht eher selten in die Wiesen und hat sehr glattes, glänzendes Fell. Allerdings mag sie kämmen und bürsten auch überhaupt nicht!

Charly bevorzugt hingegen Lamm, Rind und Kaninchenfleisch, allerdings ausschließlich in Pastetenform. Fisch frisst er hin und wieder auch, aber nur Forelle.
Er muss schon häufiger gebürstet werden, weil er oft in den Wiesen herumstreift und manchmal Kletten und Ähnliches im Fell hat. Sein Fell ist weich, aber nicht so glänzend wie Ginys. Er liebt es, gebürstet zu werden und hält sogar still, wenn man ihm mal eine Zecke entfernen muss!

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“Nummer 1” mochte am liebsten Fisch in allen Varianten. Pute und Huhn akzeptierte er zwar auch, aber zu seinen Leibgerichten zählte das nicht. An Lamm und Rind ging er gar nicht heran.
“Nummer 1” musste nahezu täglich unter die Bürste. Er hatte ständig irgendetwas im Fell (Tannennadeln, Kletten, Grassamen etc.) und sein Fell war auch etwas struppiger als Ginys und Charlys. “Nummer 1” war vom Bürsten zwar nicht gerade begeisterter Fan, aber er akzeptierte es.

Fazit:
Man kann Hauskatzen also nicht direkt in Merkmals- und Charakterschubladen einteilen.

Eines jedoch haben sie alle gemeinsam (eigentlich ist es sogar ein rasseübergreifendes Merkmal und gilt für alle Katzen): Sie sind wundervolle Tiere!

Bianca Kuntze

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