Die Katze als Geschenk … JA BITTE oder doch NEIN DANKE

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[Kritisch von Wilfried Keßeler & Sri Lanka]

Immer wieder zu Geburtstagen, Weihnachten oder anderen festlichen Anlässen stellt sich so manchem die Frage: Was schenke ich?
Und nicht selten werden auch Haustiere in die Überlegungen mit einbezogen, weit oben Katze und Hund.
Die “niedlichen” Tierchen – vor allem wenn sie klein sind – erfreuen sich besonders bei Kindern großer Beliebtheit.
Können und wollen Eltern (oder auch andere Schenkende) diesen Wünschen wider­stehen?

Nun könnte man die Diskussion abkürzen oder gar nicht erst aufkommen lassen und generell sagen: Tiere sind keine Geschenke. Punkt. Aus!
So einfach soll es aber nicht sein. Ist es auch nicht. Denn es gibt ja auch ein paar wichtige Argu­mente hinter einer solch “hart wirkenden” Aussage. Punkte, die als Entschei­dungshilfe zumindest überlegt werden sollten. Bevor man ein “Tier kauft”, zu sich holt. Und da darf auch kein noch so wichtiges Fest Anlass sein, all dies zu ignorieren.

Nun lassen wir Sri Lanka* mal erzählen, wie sie zu ihrem DoWi gekommen ist. Und das nicht als Geschenkkatze: [* Sri Lanka starb am 12. April 2010 mit bald 19 Jahren an Kieferkrebs.]

Foto: © Wilfried Keßeler
Foto: © Wilfried Keßeler

Ich bin Sri Lanka. Im August 2009 bin ich 18 Jahre alt geworden und froh, dass mich mein DoWi – ich nenne ihn so, weil es mein Dosenöffner Wilfried ist – zu sich geholt hat.
Nun will ich Euch mal erzählen, wie so alles kam, dass ich dann beim DoWi gelandet bin, auch ohne irgendeinen festlichen Anlass, ohne Schleifchen, ohne Geschenk zu sein:

Mein DoWi kam damals, es war ein kalter Wintertag 1992, der 20. Januar, ins Tierheim und wollte eine Katze für sich holen. Sein Wunsch war über lange Zeit gereift und es war ihm klar, er wollte ein Kätzchen, ein junges Kätzchen aus dem Tierheim. Einem Kätzchen ein neues Zuhause geben, es aus dem Tierheim in ein schönes neues Umfeld holen. Zu sich.
Die Überlegung, warum kein anderes Haustier, hat er für sich getroffen und nach Abwägung verschiedener Aspekte erkannt, dass ein Kätzchen wohl die richtige Wahl als neues Familienmitglied und Weggefährtin ist.
So stand er nun da, im Tierheim, in seinem warmen langen Mantel und hat sich bei uns Kätzchen und älteren Katzen umgeschaut.
Ich war zusammen mit 3 anderen jungen Fegern in einem kleinen Zimmer. Die älteren Katzen hatten ein größeres Zimmer mit Balkon – gut, sie waren auch mehr. Dafür hatten wir einen schönen warmen Ofen in unserem Raum, schlecht ging es uns nicht.
Er hat uns springen und spielen gesehen und uns ’ne Weile beobachtet. Denn ein bisschen was wollte er ja schon mal wissen von uns. Und nebenher hat er sich immer mit unserer Tierheimleiterin unterhalten und viele Fragen gestellt. Wir konnten das nicht alles verstehen, aber für ihn war es wichtig, das merkte man.
Er wollte ein kleines Kätzchen, weil dies meist noch leichter zu prägen ist als eine bereits reife ausgewachsene ältere Katze. Eine Rassekatze war nicht unter uns, aber das war für DoWi auch gar nicht wichtig. Viel wichtiger war ihm, dass Zutrauen da war und ihm auch eine von uns so richtig gefiel.
Dann hat er mich gesehen und immer beobachtet. Ich hab das schon gemerkt, mir aber noch gar nix dabei gedacht. Und hab einfach weiter rumgetobt, mit meiner Freundin Bianca. Rum um den Ofen, rauf aufs Fensterbrett, wieder runter und ’ne neue Runde. Und das immer hinter Bianca her. Wir hatten uns dann schon an den Besucher DoWi gewöhnt und sind auch ihm durch die Beine geflitzt und haben uns auch streicheln lassen. Warum auch nicht. Sah ja ganz nett aus, das Kerlchen.

Nach einer halben Stunde so was hat er uns dann mit unserer Leiterin wieder verlassen. Sie wollten noch über uns reden.
Später hab ich dann erfahren, was die da noch so an Aspekten ausgetauscht haben, was dem DoWi wichtig war.
So wollte er ja eigentlich nur mich zu sich nehmen. Das hatte ich schon gehört, als er es in unserem Zimmer gesagt hat. Da ich aber dann den ganzen Tag alleine gewesen wäre, hat unsere Leiterin ihn gebeten, dass er doch mal darüber nachdenken solle, ob er nicht noch einer zweiten Katze ein Zuhause geben kann. Damit ich auch jemanden habe, mit dem ich spielen kann, kuscheln und raufen, zur gemeinsamen Fellpflege und allem, was wir so den lieben langen Tag dann gemeinsam anstellen können.
Und da wir ja als Wohnungskatzen auch locker 15 bis 20 Jahre alt werden können, wäre das schon ganz schön lang so alleine.
Jetzt hatte DoWi was zum Nachdenken. Und die beiden haben sich geeinigt, dass er mal drüber schlafen soll und sich dann entscheiden.
Und so war es dann auch.

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Foto: © Wilfried Keßeler

 

Am nächsten Tag, es war der 21. Januar 1992, kam er dann abends wieder, der DoWi. Ins Tierheim. Und hatte sich entschieden. Er wollte nun 2 von uns kleinen Fegern zu sich holen. Meine Freundin Bianca und mich. Denn er hatte gemerkt, dass wir uns gut vertragen und auch immer zusammen gespielt haben. Auch waren wir ja fast gleich alt und Mädels waren wir auch beide. Zwei kleine fesche.

Nun sind wir Katzen ja Lebewesen mit recht eigenem Kopf und machen es unseren „Dosenöffnern“ nicht immer nur leicht. Wir können sehr sehr anschmiegsam sein, aber auch ganz schön eigenwillig. Ob damit wohl jeder klarkommt? Vor allem, wenn er uns Katzen zuvor noch nicht einmal gesehen hat, gar nichts von uns weiß?
Deshalb war es gut, dass DoWi uns zwei ja zuvor wenigstens schon mal gesehen hat und wir ihn auch.

Wäre schon eine komische Vorstellung, irgendwo als „Geschenk“ zu sitzen, sitzen zu müssen und zu hoffen, dass man auch gemocht wird.
Und womöglich ist dann der neue Dosi auch noch überrascht, dass wir ein anderes Verhältnis zu seiner Wohnungseinrichtung haben, als er.

Wir hatten da schon in allem Glück, denn unser DoWi wusste, auf was er sich da „einlässt“. Denn wir wollen ja nicht nur unser Fressen. Auch Pflege, Reinigen unseres Katzenklos und auch liebevolle Betreuung, wenn wir mal krank sind, ist sehr wichtig. Und das unser ganzes Leben lang, nicht selten so an die 20 Jahre (manchmal auch weit mehr).

Ach ja, und so ganz kostenlos ist unsere Betreuung natürlich auch nicht. Da kommen in der ganzen Zeit gut 5 bis 10 tausend Euro zusammen. Mögliche Krankheiten und Tierarztkosten nicht mal berücksichtigt. Auch wollen wir dann ja gesund gepflegt werden und die Kosten des Tierarztes sind auch zu zahlen (denn eine Versicherung wie bei den Menschen existiert meistens nicht).
Und das schlimmste wäre es ja, wenn dann die erste Euphorie vorbei wäre, der Sommer oder der Urlaub so langsam kommt und wir möglicherweise gar nicht mehr so gerne gesehen sind. Was passiert dann? Ausgesetzt werden wollen wir nämlich nicht.
Unser DoWi hat das ganz treffend mal so formuliert: Es darf bei all den Wünschen nie vergessen werden, eine Katze, egal wie klein oder groß, wie jung oder alt, egal woher, ist ein Lebe­wesen. Ein Lebewesen mit dem lebenslangen Anspruch auf eine art­gerechte Haltung und Betreuung. Sie ist KEIN Spielzeug oder et­was, was man achtlos in die Ecke stellt, wenn es “aus­gedient” hat, langweilig wird.

Wir hatten da jedenfalls kein Problem, denn wir sind ja nicht unbedacht verschenkt worden. Unser DoWi hat uns zu sich geholt und sich das zuvor sehr gut überlegt.

Zu keinem besonderen Anlaß sollte ein Lebewesen “ange­schafft” werden, das dann zu einem späteren Zeit­punkt un­geliebt oder un­bequem oder gar lästig ist. Und man es auf einfache Art und Weise “entsorgt”, in­dem man es irgendwo aussetzt oder in ein Tierheim ab­schiebt.
Jede Katze – aber natürlich auch je­des andere Tier mit vielleicht nicht ganz so ausgeprägten Eigen­schaften – verdient die entsprechende Tierliebe und den notwen­digen Respekt gegenüber dem Leben.

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Foto: © Wilfried Keßeler

Jeden, der nicht nur sich egoistisch im Vordergrund sieht, sollten seine vielleicht manchmal nur aufgrund einer positiven Laune oder Stimmung be­stehenden Wünsche nicht verleiten, unter Um­ständen einer Katze ein wenig schönes Leben zu­zumuten. Dies gilt natür­lich auch oder gerade für Kinder.
Denn auch die Katze hat ein Recht auf sehr viele schö­ne Jahre, ohne dass sie irgendwann ungewollt ist.
Man sollte sich dann lieber ein anderes Objekt der Be­gierde wün­schen und einem Lebewesen nur dann zu­stimmen, wenn wirklich alles passt.
Und hier ist vor allem an alle Eltern zu appellieren, mit den Kindern eben all die Fragen im Vorfeld eingehend zu besprechen.

Der Wunsch nach einer Katze kann zu einem anderen Zeitpunkt auch viel sinnvoller sein. Wenn man sich ohne Druck dem Thema widmet, sich in Tierheimen oder bei Züch­tern über alles Wesentliche informiert und vor allem dem Tier dann nicht gleich auch den ganzen Trubel eines Festes zumutet.

Diese kritische Betrach­tung – mit Hilfe von Sri Lanka vorgetragen – soll durchaus Anre­gung zur Diskussion sein, der sich der Autor auch gerne stellt. In jedem Fall sollen die Aspekte aber bitte zum Nachdenken da sein, für unsere vierbeinigen Samtpfoten! Und alle anderen Haustiere natürlich.

In diesem Sinne: eine schöne und lange gemeinsame Zeit mit neu­em Familien­mitglied, neuer Katze, wenn alle Voraussetzungen bestens gegeben sind.

Ihr/Euer
Wilfried Keßelerhttps://www.facebook.com/sardin.mica
[Der Autor lebt seit Juli 2010 mit seiner Sardin(e) Mica zu­sammen in einer WG.]

9 Gedanken zu „Die Katze als Geschenk … JA BITTE oder doch NEIN DANKE“

  1. Hey DoWi,

    Sri Lanka hat echt ein Talent zum Schreiben 😉 Und ja, ich muss sagen, dass dieser Artikel auf jeden Fall zum Nachdenken anregt.
    Ich bin gespannt auf weitere Artikel von Euch 🙂

    Lg Jacky

  2. Für Autofahrer gibts Fahrprüfungen und Führerschein. Ich wäre dafür, dass es etwas ähnliches auch für Tierhalter gäbe. Es ist doch ein Unding, dass jeder Leckarsch sich ein Tier zulegen kann, und kein Mensch weiß, was er mit diesem anstellt. Es geht schließlich um lebende Wesen und keine tote Materie.

  3. .. DANKE für Eure Anmerkungen. Sri Lanka war schon ‘ne begnadete Erzählerin 🙂
    Zum “Tierhalter-Führerschein”: wäre ich dafür, nur wie soll sowas umgesetzt werden?? Und gleiches gilt dann sicher auch für Kinder (von denen es dann viele wohl nicht gäbe!!). Schwieriges Thema.

  4. Also ich habe auch schon mal ne Katze quasi als Geschenk bekommen: Ich habe mir eine ausgesucht und mein damaliger Freund hat einfach die Schutzgebühr von der Tierschutzorganisation übernommen. So geht’s sinnvoll mit dem Verschenken. 🙂

    Mein Kater Mucki, den ich mir 1999 ausgesucht habe, hat dann auch fast 10 Jahre bei mir gelebt – viel länger, als ich mit dem Mann zusammen war. 😉

  5. .. @ Marion:
    das is ja auch nicht wirklich dann ein Geschenk, zumindest nicht das, was ich meine. Weil “richtige” Geschenke ja immer den Überraschungsfaktor haben.
    Meine Srikki war weit über 18 Jahre mein kleiner Schatten .. eine tolle Lebensabschnittsgefährtin, die mir SEHR fehlt.

  6. Wie immer, lieber Wilfried, hast du hier alles genau auf den Punkt gebracht. Und Srikki hat das alles wunderbar erzählt. Genau so sollte es sein. Katze soll und muß Katze sein dürfen, ihr Leben lang. Nicht als Spielzeug oder Zeitvertreib irgendwo “benutzt” und bei Langeweile abgeschoben zu werden. Als Dosi hat man die lebenslange Verantwortung für sein Tier. Alle Aufs und Abs inbegriffen! Das sollte sich jeder, der sich ein Tier anschafft ganz klar machen. Es gibt nicht nur schöne, sorgenfreie Zeiten sondern es gibt auch Krankheiten, Sorgen und Nöte mit den 4-Beinerchen. Auch da steht man als Dosi in der Pflicht. Eine wunderschöne Pflicht, wie ich aus vielen Jahren mit 3 wunderbaren Katzen nur sagen kann!

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