Der natürlichen Ernährung nachempfunden – Rohfütterung für Katzen

Artikelfoto: © Anika Abel

Gehasst, geliebt, abgelehnt und befürwortet, die Rohfütterung von Katzen auch bekannt  als „B.A.R.F.“ sorgt häufig für hitzige Diskussionen. Allerdings kann man etwas nur verurteilen oder befürworten, wenn man weiß, wie es funktioniert. Daher möchte ich euch heute die Rohfütterung kurz vorstellen.

 Was ist B.A.R.F.?

B.A.R.F. steht für „Bones And Raw Food“ oder auch je nach Quelle für „Biologically Appropriate Raw Food“ und kommt ursprünglich aus den USA. In Deutschland haben sich die Bezeichnungen „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ und „Biologisch Angemessene Rohfütterung“ als Übersetzungen eingebürgert.

Ziel der Rohfütterung ist, vereinfacht gesagt, die Katze so naturnah wie möglich zu ernähren. Also sich an der Nahrung zu orientieren, an die sich die Katze im Laufe der Evolution perfekt angepasst hat. Das bedeutet roh (Katzen pflegen ihre Beute vor Verzehr nicht zu kochen oder zu braten), möglichst frisch (Katzen sind keine Aasfresser) und ausgewogen (Katzen ernähren sich als Beutetierfresser nicht nur von Fleisch, sondern auch von anderen Bestandteilen ihrer Beute, z. B. Knochen, Blut, Innereien, … und wechseln auch unter ihren Beutetieren ab).

Um diese natürliche Nahrung nachzuempfinden werden entweder ganze Beutetiere kredenzt oder es wird durch Zusätze oder eine Kombination einzelner „Beutetierbestandteile“ versucht, die natürliche Beute so gut wie möglich nachzubauen.

Voraussetzung dafür ist eine eingehende Beschäftigung mit den Ernährungsbedürfnissen der Katze. Nur wer weiß, wie die natürliche Nahrung zusammengesetzt ist, kann diese auch verantwortungsvoll nachbauen.

Foto: © Anika Abel
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Ist das nicht wahnsinnig aufwendig, teuer und kompliziert?

Eigentlich nicht. Unabdingbar ist die eingehende Beschäftigung mit den Ernährungsbedürfnissen der Katze, was mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden ist. Hat man das Prinzip jedoch erst einmal begriffen, ist Barfen lediglich Katzen füttern, nur mit dem Wissen, dass man wirklich selbst entscheiden kann, was im Napf der Katze landet.

Rohfuttermahlzeiten können entweder jeden Tag frisch zubereitet oder, um Zeit zu sparen, für längere Zeit vorbereitet und eingefroren werden. Grundsätzlich kann eine Katze für etwa 0,50 € am Tag roh gefüttert werden, wobei es hier natürlich immer auf die Herkunft des Fleisches ankommt. Biofleisch kostet mehr als Fleisch aus Onlineshops und Lamm kostet zum Beispiel mehr als Geflügel. Alles in allem ist die Rohfütterung jedoch deutlich günstiger als hochwertiges Katzenfutter. Futter, das günstiger angeboten wird, besitzt in der Regel keine für einen Fleischfresser geeignete Zusammensetzung.

Ist das nicht gefährlich?

Immer wieder hört man, bei der Rohfütterung wären Mangelerscheinungen vorprogrammiert und Würmer, Salmonellen, Toxoplasmose und Co. eine stetige Gefahr.

Das ist bedingt richtig. Wer zum Beispiel einfach nur Muskelfleisch füttert, dieses aber nicht mit Zusätzen oder anderen Bestandteilen ergänzt, damit eine ausgewogene Mahlzeit entsteht, wird sicherlich bald mit Mangelerscheinungen konfrontiert werden. Einfach nur Fleisch zu füttern, hat jedoch mit der Rohfütterung an sich nichts zu tun.

Sobald die Menge an selbst zubereitetem Futter 20 Prozent der Gesamtfuttermenge pro Woche (1-2 Rohfleischtage pro Woche) übersteigt, sollte mit Zusätzen gearbeitet werden. Hier kann man mit natürlichen Bestandteilen arbeiten oder für den Einstieg auf Fertigmischungen zurückgreifen. Wer das Futter für die eigenen Katzen selbst zusammenstellt, muss wissen, was er oder sie tut. Ist dies der Fall und werden die Regeln der Rohfütterung umgesetzt, kommen keine ernährungsbedingten Mangelerscheinungen vor. Absolute Sicherheit bieten regelmäßige Blutuntersuchungen.

Beim Umgang mit rohem Fleisch sollte auf Hygiene geachtet werden, ganz gleich, ob Mahlzeiten für Katze oder Mensch zusammengestellt werden. Selbstredend sollte es sich beim verarbeiteten Fleisch um frisches Fleisch handeln.

Warum die Mühe?

Wenn ihr bis hierher gelesen habt, fragt ihr euch vielleicht, was das alles soll. Warum sollt ihr euch die Mühe machen und euch mit der Ernährung der Katze beschäftigen, euch für die Katze in die Küche stellen und extra Fleisch kaufen, wo ihr doch auch einfach Nass- oder Trockenfutter füttern könntet. Gibt es doch überall und überhaupt, Nachbars Katzen haben ihr Leben lang nur das billige Trockenfutter vom Discounter gefressen und sind trotzdem steinalt geworden?

Ganz einfach, eurer Katze und eurem Geldbeutel zuliebe. Katzen sind spezialisierte Beutetierfresser, was sich auch deutlich in Anatomie, Physiologie, Verhalten und Stoffwechsel der kleinen Raubtiere widerspiegelt. Sieht man sich jedoch handelsübliches Fertigfutter an, so sieht man schnell, dass die natürlichen Ernährungsbedürfnisse der Katze kaum berücksichtigt werden. Zahlreiche sogenannte „Zivilisationskrankheiten“ sind oft die Folge.

Meist findet man nur einen geringen Anteil an tierischen Bestandteilen, dafür aber zahlreiche (oft undefinierte) pflanzliche Bestandteile, aufgewertet mit Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen. Kurz gesagt, zum größten Teil „genießbar gemachte“ Abfälle aus der Lebensmittelproduktion. Artgerechte und gesunde Nahrung für einen Karnivoren, der in der Natur nur etwa 3 bis 5 % an Pflanzlichem (z. B. aus dem Magen der Beutetiere) aufnehmen würde?

Und ja, es gibt sie, die Katzen, die ihr Leben lang Trockenfutter oder solche Dosen fressen und bis ins hohe Alter gesund bleiben. Ebenso wie es Menschen gibt, die sich nur von Fertignahrung ernähren, Rauchen und Alkohol konsumieren, aber dennoch bis ins hohe Alter kaum über Wehwehchen klagen. Nur dieses Glück hat nicht jeder und auch nicht jede Katze. Ob man das Risiko eingehen will, muss jeder Katzenhalter selbst entscheiden. Am besten im Interesse der Katze.

Bezeichnend ist auch, dass Kleinwildkatzen in Tierparks nicht mit Fertig-, sondern mit Rohfutter ernährt werden, da man festgestellt hat, dass die Ernährung mit Fertigfutter bei den Tieren über kurz oder lang für oft schwerwiegende gesundheitliche Probleme sorgt. Die domestizierte Katze hat sich durch Zucht in ihrem Aussehen und teilweise sicherlich auch in ihrem Verhalten verändert, auf den Stoffwechsel, das Verdauungssystem und die Organe hatte dies jedoch keinen Einfluss.

Und ja, die „Raubtierfütterung“ erfreut Katze und Halter. 😉

Zur weiterführenden Lektüre empfehle ich:
Katzen würden Mäuse kaufen

Ihr möchtet mehr darüber erfahren oder sogar selbst mit der Rohfütterung beginnen? Diese Seiten bieten einen hervorragenden Einstieg:

http://www.savannahcat.de/katzenernaehrung.html

http://blaue-samtpfote.de/barf/barf.html

http://www.hauspuma.de/Gesundheit/Ernaehrung/start.htm

http://haustiger.info

http://dubarfst.eu

http://pommernschaf.net/2012/04/06/ist-barfen-wirklich-so-kompliziert/

Anika Abel

Ein Gedanke zu „Der natürlichen Ernährung nachempfunden – Rohfütterung für Katzen“

  1. Also ich für meinen Teil fand den Artikel sehr interessant, doch muß ich sagen, dass diese Art von Fütterung nichts für mich ist. Auch wenn ich meiner Katze damit etwas gutes tun kann. Aber weitere Ausführungen dazu täten mich schon interessieren.
    Vielen Dank nochmal Anika.

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